Kreditmanagement im Jahr 2021 - Was kommt auf uns zu?

Corona-Pandemie, finanzielle Hilfsmaßnahmen, Bundestagswahl, Brexit usw. - viele Faktoren beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung im nächsten Jahr. Klare Regelungen im Kreditmanagement werden gefragt sein, um weiter sicher durch die Krise zu navigieren. Eine Einschätzung der Lage.

Die Corona-Pandemie

Sie wird uns auch in 2021 wirtschaftlich beschäftigen. Mindestens bis Februar werden wir verschärfte Lockdown-Maßnahmen erleben – mit düsteren Folgen für Branchen wie das Hotel- und Gaststättengewerbe, Fitness- und Freizeitanlagen, Touristik usw.

Wie wirken da die finanziellen Maßnahmen?

Die Aussetzung der Insolvenzpflicht über mehr als ein ¾ Jahr ist eine Katastrophe und täuscht über die wahre Situation hinweg. Sie schadet gut aufgestellten Unternehmen, da der Wettbewerb von eigentlich insolventen Unternehmen nach wie vor vorhanden ist.

Das Kurzarbeitergeld kaschiert Überkapazitäten oder umzusteuernde Kapazitäten bei vielen Unternehmen. Anpassungsprozesse werden verlangsamt. International agierende Unternehmen können dadurch in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zurückfallen.

Die Finanzhilfen für die kleinen und mittleren Unternehmen sind differenzierter zu betrachten: Sie wirken eher zufällig. Dem einen helfen sie, dem anderen nicht. Schwer leidet die Künstler- und Unterhaltungsbranche.

Die 30 Mrd. € Bürgschaft für die Kreditversicherungen soll weiterhin Kreditlimite von Lieferanten sichern. Teilweise ist dem sicher so. Langfristig wird sich aber jede Kreditversicherung aus Unternehmen zurückziehen, bei denen sich Zahlungsunfähigkeit abzeichnet oder die kurz vor der Insolvenz stehen.

Die großen Unternehmen werden durch die EZB unter Frau Christine Lagarde mit ihrem immensen Anleihekaufprogramm gestützt. Spannend wird es, wenn das endet. Werden die Unternehmen in der Lage sein, dieses Volumen zurückzuzahlen oder umzuschulden? Oder werden diese Anleihekaufprogramme zum Standard in der EZB werden?

Was 2021 außerdem anliegt

In Deutschland wird im September 2021 die Bundestagswahl stattfinden. Bis dahin wird die Politik versuchen, Probleme mit viel Geld durch mildtätige Gaben zu kaschieren. Mittel- und langfristig wird uns das schaden. Wie werden diese Schulden finanziert? Eine Erhöhung der Steuern ist beispielsweise schon im Gespräch.

Wir müssen sehen, wie einzelne Regionen in Europa und der Welt weiter von dem Virus gefangen sind – mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen, auch für unsere in diese Regionen exportstarken Unternehmen. Die risikoreiche Abhängigkeit vom chinesischen Markt wird damit noch größer.

Und es gibt Branchen, die konjunkturell später als andere betroffen sind – wie z. B. die Baubranche. Die hohe Verschuldung des Staates wird die staatliche Bautätigkeit reduzieren. Unsicherheit bei privaten Investoren wird dazu führen, dass genehmigte Bauanträge nicht umgesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Aussichten für die Baubranche, die ja z. Zt. noch ein Konjunkturmotor ist, sich im Herbst 2021 oder darüber hinaus darstellt.

Die Pandemie beschleunigt wirtschaftliche Veränderungen

Ein Bodensatz des Aufwuchses an Online-Handel durch die Pandemie wird bleiben. Dieses resultiert in einer weiteren Schwächung des klassischen Einzelhandels. Hier werden deutliche Veränderungen anstehen: Wer weder Multikanalvertrieb noch Erlebnishandel bietet, wird es schwer haben, zu überleben.

Der Umbau der Automobilindustrie und die damit verbundenen Veränderungen für die Zulieferindustrie gehen weiter.

Die Innenstädte werden sich rasant verändern. Das Gewerbemietniveau muss drastisch reduziert werden, denn Unternehmen können die horrenden Mieten nicht mehr leisten. Das wird Druck auf Immobilienbesitzer ausüben. Die Innenstadt der Zukunft wird eher zum Ort der Begegnung, anstatt Einkaufsmeile zu bleiben.

Manche Branchen stehen vor radikalen Veränderungen. Reisebüros sind nicht nur old sondern aussterbende Economy. Tagungshotels werden noch benötigt, aber nicht mehr in dem alt bekannten Maße. Ebenso werden teilweise Meetings oder auch Messen weiter online statt in Präsenz durchgeführt.

Auch die Luftfahrtindustrie wird mehrere Jahre brauchen, bis das alte Niveau erreicht ist. Fraglich ist, ob das alte Niveau bei Geschäftsreisen überhaupt jemals wieder erreicht wird.

Das Landleben wird durch verstärktes Homeoffice wieder attraktiver. Insbesondere für junge Familien ergeben sich hier neue und bezahlbare Alternativen zur Stadt.

Der Brexit ist da.

In letzter Minute gab es einen geregelten Austritt aus der EU. Trotzdem ist mit wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen und erhöhter operativer Aufwand zu erwarten.

Und dann auch noch die USA:

Wir werden sehen, dass es zwar mit Biden und der neuen Regierung eine Annäherung an die EU und ein Bekenntnis zur Nato gibt. Protektionismus war den Demokraten aber noch nie fremd. Für die Exportbeziehungen werden wir weiter auch amerikanische Forderungen und Barrieren sehen.

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